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Radikalisierung von Jugendlichen in Afrika und Europa

Ursula Männle eröffnet die Tagung

Jugendradikalisierung und gewalttätiger Extremismus sind globale Phänomene, die Frieden, Sicherheit und Stabilität bedrohen. Deutschland ist bislang weitgehend von Anschlägen verschont geblieben, während in Europa Staaten wie Frankreich und Belgien vermehrt betroffen waren. Weltweit betrachtet ereignen sich terroristische Anschläge vor allem in Subsahara-Afrika. Bei den Umständen und Dynamiken des Radikalisierungsprozesses bis hin zur extremistischen Gewalt lassen sich Parallelen zwischen den Fällen in Europa und Afrika ziehen.

Aus diesem Anlass lud die Hanns-Seidel-Stiftung vom 18. bis zum 21. Oktober 2016 Experten aus Subsahara-Afrika zu Gesprächen und Diskussionsrunden nach München und Brüssel ein. Mit dieser Veranstaltungsreihe wurde ein Wissens- und Erfahrungsaustausch zwischen Afrika und Europa ermöglicht, der zu derzeitigen Debatten und Initiativen eine weitere afrikanische Sicht hinzufügte.

Am 19.Oktober fand eine Konferenz in München mit etwa 50 Experten aus Wissenschaft und Politik sowie mit Vertretern des Sicherheitsbereiches statt, um über Erklärungsansätze sowie Strategien der Prävention und Deradikalisierung zu diskutieren. Eingestimmt wurden die Teilnehmer mit dem Film Watatu von SAFE Kenya über Jugendradikalisierung und die Al-Shabaab-Miliz in Kenia.

Prof. Ursula Männle, Vorsitzende der Hanns-Seidel-Stiftung, eröffnete die Diskussionsrunde und unterstrich die Bedeutung dieses Themas. Sie betonte, dass für die Bewältigung dieses relativ jungen Phänomens neue Ansätze erforderlich seien.

Der Landrat und Integrationsbeauftragte der Bayerischen Staatsregierung, Martin Neumeyer, referierte über das Spannungsfeld zwischen Radikalisierung und Migration. Auch er sprach davon, Handlungsempfehlungen und Strategien in der Prävention und Deradikalisierung besser miteinander zu vernetzen.

Everlyn Kemunto von Well Told Story

Julian Macharia und Everlyn Kemunto von Well Told Story, einem Partner der HSS in Kenia, berichteten, dass es einen von außen aufgezwungenen Konflikt zwischen Muslimen und Christen gebe, der auf der Straße nicht so wahrgenommen werde. Kenianer unterschiedlicher Glaubensrichtungen würden in Harmonie miteinander leben. Der Eindruck eines solchen Konflikts werde von extremistischen oder terroristischen Organisationen wie der separatistischen Gruppe Mombasa Republican Council (MRC) und der in Ostafrika aktiven islamistischen Terror-Miliz al-Shabaab geschürt. Die hieraus entstehende Polarisierung werde genutzt, um Jugendliche, die keine Perspektiven hätten und sich unverstanden und deshalb aus der Gesellschaft ausgeschlossen fühlten, anzusprechen und zu rekrutieren. Empfohlen wurde eine stärkere Partizipation von Jugendlichen bei der Entwicklung von Präventionsmaßnahmen.

Die Studie Dynamics of Youth Radicalisation in Africa wurde vorgestellt von Uyo Salifu vom panafrikanischen Institute for Security Studies (ISS). Sie stützt sich auf Erkenntnisse aus Ostafrika, dem Horn von Afrika, Westafrika, der Sahelzone sowie Nordafrika. Ziel der Studie ist es, die Dynamiken hinter Radikalisierung und gewalttätigem Extremismus zu verstehen.
Politische, wirtschaftliche, soziale und individuelle Faktoren seien neben Religion, Identität und Gender zu berücksichtigen, erklärte die Wissenschaftlerin, die aus Nigeria stammt. Jugendradikalisierung sei als komplexes Phänomen zu sehen, das durch ein Zusammenspiel verschiedener Bedingungen hervorgerufen werde.

Im Anschluss an die Kurzvorträge diskutierten und vertieften die Teilnehmer verschiedene Schwerpunkte in Arbeitsgruppen.
Über die „Jugendradikalisierung in Deutschland und Europa – Komplexe Dynamiken entschlüsseln“ tauschten sich die Experten mit Markus Schäfert vom Landesamt für Verfassungsschutz und Dominik Schmitz (Autor, Bildungsreferent und Ex-Salafist) aus.
„Lessons learnt? – Umsetzung von De-Radikalisierungs- und Präventionsmaßnahmen“ wurden in einem weiteren Panel mit Nicola Hieke (Landeskoordinierungsstelle Demokratie leben! Bayern gegen Rechtsextremismus), Dr. Christiane Nischler-Leibl (Bayerisches Sozialministerium, Radikalisierungsprävention) und Holger Schmidt (Bayerisches Landeskriminalamt, Kompetenzzentrum für Deradikalisierung) mit den Teilnehmern erörtert. „Jugendradikalisierung in Afrika – Komplexe Dynamiken entschlüsseln“ thematisierten Uyo Salifu, Julian Macharia und Everlyn Kemunto in einer dritten Arbeitsgruppe.

Uyo Salifu vom Institute for Security Studies (ISS)

Danach reiste die Delegation nach Brüssel, um dort mit europäischen und afrikanischen Entscheidungsträgern und Think Tanks weiter ins Gespräch zu kommen.
Am Runden Tisch diskutierten die Gäste aus Kenia und Südafrika mit Maurice van der Velden des Radicalisation Awareness Networks (RAN) der EU, Bantihun Getahun von der Äthiopischen Botschaft, Dr. Ahmed Bugri von der Foundation for Shelter and Support to Migrants aus Malta sowie mit dem Leiter für Migration des ghanaischen Innenministeriums, Walter Kwao-Anati.

Teilnehmer kamen auch von der Europäischen Kommission, der Generaldirektion Entwicklung und Zusammenarbeit, der südafrikanischen Botschaft, dem Europäischen Auswärtigen Dienst sowie verschiedenen Think Tanks und Stiftungen.
Es wurde deutlich, wie hilfreich ein konkreter inhaltlicher Austausch über die besten Praktiken und Lösungsansätze zwischen Afrika und Europa ist – gerade bei einem Thema wie Deradikalisierung, das globale Vernetzung erfordert. Da Entwicklungszusammenarbeit, Radikalisierung, Innere Sicherheit und Migration eng miteinander verwoben sind, sind Synergien zwischen Ressorts und verschiedenen Akteuren aus Zivilgesellschaft, Wissenschaft, Politik und Institutionen wichtig.
Im Rahmen ihres Aufenthaltes in Brüssel hatten die Besucher die Gelegenheit, diese Thematik mit dem Europaabgeordneten Michael Gahler, dem Botschafter der Afrikanischen Union Ajay Kumar Bramdeo und Peter Bosch, dem Migrationsberater im Joint Research Centre der Europäischen Kommission zu besprechen.

Das Thema Jugendradikalisierung ist einer der Schwerpunkte der Projektarbeit in Kenia. Es ist Gegenstand einer Studie, deren Erkenntnisse in eine breit angelegte Multi-Media-Initiative namens „Shujaaz“ (Swahili für „Helden“) einfließen werden: Informationen über diese Initiative, Themen aus dem Jugendbereich und Ergebnisse der Studie.

Unsere Arbeit in Kenia und Südafrika

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