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Hanns-Seidel-Stiftung im Web 2.0

Über den Experten

Michael Dimock ist seit 2014 Präsident des Pew Research Center in Washington, D.C., einer der wichtigsten Institutionen zur Erhebung der öffentlichen Meinung in den USA. Als promovierter Politikwissenschaftler legt er die Strategie und die Forschungsagenda der Organisation fest und lenkt die Entwicklung von innovativen Datenerhebungsmethoden und Analysen.

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Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Andrea Rotter M.A.
Tel.: 089 1258-297 | Fax: -469
E-Mail: rotter@hss.de

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US-Wahl: Was denken die Wähler?

Michael Dimock und Andrea Rotter

In knapp zwei Wochen müssen sich die Amerikaner zwischen den Präsidentschaftskandidaten Hillary Clinton und Donald Trump entscheiden. Im Verlauf des letzten Monats ist der Vorsprung Clintons deutlicher geworden. Neueste Umfragen zeigen einen Vorsprung der demokratischen Kandidatin von knapp 6%. Was die Wähler bei dieser Wahl beeinflusst, erklärte der Präsident des Pew Research Center, Michael Dimock, am 21. Oktober bei dem von der Hanns-Seidel-Stiftung veranstalteten Breakfast Meeting.

Die Kandidaten in den Augen der Amerikaner

Ein Alleinstellungsmerkmal dieser Wahl ist die Unzufriedenheit der Amerikaner mit dem Ausgang des Nominierungsprozesses. Sowohl bei den Demokraten als auch bei den Republikanern zeigt sich nur ca. ein Drittel der Wähler zufrieden mit der Kandidatenauswahl. Damit hat die Zufriedenheit ihren niedrigsten Stand seit 1992 erreicht. Der Anteil der Befragten, die glauben Clinton und Trump würden schlechte Präsidenten abgeben, liegt bei 33% bzw. 43%. Eine überdurchschnittliche Leistung erwarten jeweils nur ca. 30% der Befragten. Beide Kandidaten müssen sich somit einer skeptischen Bevölkerung stellen.

Die politische Polarisierung der Wähler

Teilnehmer/innen des Breakfast Meetings der Akademie für Politik und Zeitgeschehen

Nicht nur im Kongress, in dem die Parteienlandschaft den Polarisierungstrend der US-amerikanischen Politik verdeutlicht, sondern auch in der Gesellschaft zeigt sich eine wachsende ideologische Spaltung. Im Verlauf von 20 Jahren ist der Anteil der konsequent konservativ bzw. liberal eingestellten Bürger von 64% bzw. 70% auf über 90% angestiegen. Damit einher geht eine zunehmend negative Bewertung der jeweils gegnerischen Partei. Diese prägt die politischen Entscheidungen der Amerikaner, denn die andere Partei wird als Bedrohung für das Wohlergehen des Landes wahrgenommen. Die wachsende Polarisierung geht dabei nicht aus dem Erfolg der eigenen Partei, sondern aus der Ablehnung der anderen Partei hervor. Verständlich wird diese Dynamik im Kontext des vorherrschenden Misstrauens gegenüber dem politischen System. Die Zahl der Befragten, die angeben, beinahe immer bzw. überwiegend der Regierung zu vertrauen, ist seit 2000 von 55% auf 19% gesunken. 13% geben sogar an, kein Vertrauen in die Regierung zu haben. Das allgemeine Misstrauen gegenüber dem System sorgt dafür, dass die Kandidaten der gegnerischen Partei zunehmend als bedrohlich gelten, denn ein korruptes System kann keine Kontrolle über einen ungeeigneten Kandidaten ausüben und dessen möglicherweise schädliche Ambitionen einhegen.

Die Konfliktlinien: Immigration, Ethnie und „political correctness“

Michael Dimock zeichnet ein umfassendes Bild der Wählereinstellungen."

Ablehnung von Immigration stellt den zentralen Punkt der Kampagne Trumps dar. Jedoch sind beinahe zwei Drittel der Amerikaner davon überzeugt, dass Immigration und gesellschaftliche Vielfalt ihr Land stärken. Vor allem im internationalen Vergleich ist diese Zustimmungsrate erheblich. So liegt Deutschland 32 Prozentpunkte hinter den USA. Bei Fragen der Immigration und Ethnie werden die größten Verwerfungen zwischen den Unterstützern der beiden Kandidaten deutlich. Während 57% der Unterstützer Clintons der Meinung sind, dass schwarz zu sein in den USA schwieriger ist, als weiß zu sein, sind nur 11% der Unterstützer Trumps davon überzeugt. Auch bezüglich „political correctness“ wird eine solche Verwerfung deutlich. 59% der demokratischen Unterstützer sind für einen umsichtigeren Umgang mit Sprache, während 83% der republikanischen Unterstützer die Meinung vertreten, dass Personen sich zu schnell angegriffen fühlen. Ausschlaggebend für die Entwicklung dieser Spaltung der Wählerschaft ist der Wahlkampf jedoch nicht. Ein derartig polarisierter Trend zeichnete sich bereits über mehrere Jahre hinweg ab und ist Ausdruck des kulturellen Wandels im Land. Der Wunsch, die bisherigen Strukturen und Traditionen zu erhalten, führt zu Ablehnung von wachsender Immigration und anderen, die Gesellschaft prägenden Gruppen. Der Wahlkampf hat diese gesellschaftlichen Unterschiede lediglich zum Vorschein gebracht.

Ausschlaggebende Wählergruppen

In der diesjährigen Wahl stellen die sog. „Millennials“ eine größere Wählergruppe als je zuvor dar. Die Wähler zwischen 18 und 35 Jahren sind zahlenmäßig mit der Gruppe der 52- bis 70-jährigen gleichgezogen. Aus der Wahlbeteiligung ergibt sich dennoch eine Einflussdifferenz der beiden Gruppen. Für eine junge Generation weist die Gruppe der Millennials mit ca. 50% eine hohe Wahlbeteiligung auf. Vergleicht man jedoch die Generationen, so wird deutlich, dass die Millennials bei den Wahlen seit 2004 eine 20%-30% geringere Beteiligung aufweisen. Die am schnellsten wachsende Wählergruppe stellen die lateinamerikanischen Wähler dar. Beide Parteien versuchen sich die Unterstützung dieser Gruppe zu sichern. Die Wählergruppe selbst fühlt sich von der demokratischen Partei besser repräsentiert als von der republikanischen. Dennoch konnte keine Partei einen Gewinn an Unterstützung in dieser Gruppe verzeichnen. Das Unterstützungsniveau liegt seit 20 Jahren konstant bei 54% für die demokratische bzw. 11% für die republikanische Partei.

Die Bedeutung für den Wahlausgang

Die Überzeugungen der Wähler in einem Kandidaten zu vereinen, ist bei diesem Grad der Polarisierung und generellen Ablehnung der Nominierten unmöglich. Der Ausgang der Wahl wird zeigen, ob die republikanische oder demokratische Seite sich durchsetzen kann. Da die jüngere Generation, Personen mit höherer Bildung und Frauen eher demokratisch wählen, ist es möglich, dass Clinton bei den Wahlen von einem Bonus in diesen Gruppen profitiert. Trump könnte bei der Mobilisierung dieser Gruppen mit zusätzlichen Hürden konfrontiert sein. Hinzu kommt, dass er bei seinem Hauptwahlkampfthema Immigration nur die Meinung einer Minderheit der amerikanischen Bürger vertritt. Trotz aller Umfragen lässt sich jedoch keine genaue Prognose bezüglich des Wahlausgangs stellen. Eines bleibt aber sicher: wer die Wahl auch gewinnt, er oder sie wird sich mit einer skeptischen Bevölkerung konfrontiert sehen, die es zu überzeugen gilt.