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Zivilcourage beim Mauerfall

Der Regisseur, Produzent und Chef der UFA Deutschland Nico Hofmann

„Zivilcourage beim Mauerfall 1989“ war das Motto des Filmabends mit dem  Regisseur und Produzenten Nico Hofmann, der allein in den Jahren 2013 bis 2015 acht bedeutende Spielfilme produzierte, darunter „Der Medicus,“ „Nackt unter Wölfen,“ „Ich bin dann mal weg“ sowie den Dreiteiler für das ZDF „Unsere Mütter, unsere Väter“, ausgezeichnet mit dem Emmy Award 2014.

Beim Abendseminar am 10. Oktober 2016 im Konferenzzentrum konzentrierten sich die Teilnehmer anhand der „Bornholmer Straße“ auf die Befindlichkeit der Menschen „im Osten,“ die sich auch heute zum Teil noch benachteiligt fühlen. „Bornholmer Straße,“ ein ARD-Fernsehfilm, gedreht zum 25-jährigen Jubiläum der Wende, schildert die Ereignisse beim Mauerfall am 9. November 1989 akribisch und durchaus humorvoll, aus der Sicht des Kommandanten Harald Schäfer, der sich völlig unvorbereitet mit der Auflösung aller Befehlsstrukturen auseinandersetzen muss – als Folge einer im DDR-Fernsehen live übertragenen Pressekonferenz mit dem Politbüromitglied Günther Schabowski. Dieser teilt mit, dass es „ab sofort“ möglich sei, relativ unkompliziert aus der DDR auszureisen. Der Oberstleutnant Harald Schäfer ist der realen Person Harald Jäger nachempfunden, wie auch das Drehbuch den tatsächlichen Ereignissen entspricht. Der Film wurde 2014 mit sehr großem Erfolg beim Münchner Filmfest gezeigt und erreichte bei der Erstausstrahlung am 5. November 7 Millionen Zuschauer (Marktanteil von 21,5 % für „Das Erste“).

Artur Kolbe (re.) eröffnete die Veranstaltung, Christine Weissbarth (li.) moderierte die Diskussion.

Warum Harald Schäfer „den Befehl verweigerte und damit Weltgeschichte schrieb,“ warum er sich in der besagten Nacht vom 9. auf den 10. November immer wieder mit seinen Offizieren und (telefonisch) mit seinem vorgesetzten Oberst Hartmut Kummer (im Laufe der Geschichte mehr und mehr alkoholisiert!) – vergeblich – berät, ist Thema des Films. Die „Bornholmer Straße“ zeigt anschaulich und mit einer gehörigen Prise Humor (Streunender Hund als „Grenzverletzer“ und vermeintliches „Hauptereignis“ in dieser Nacht, über den ein mehrseitiges „Protokoll“ zu führen ist), wie in einer repressiven Gesellschaft ohne Befehl von oben „die Ordnung im Sozialismus“ zusammenbricht, ja zusammenbrechen muss. Der nach mehrfachen endlosen Telefonaten zermürbte und völlig desillusionierte Kommandeur fühlt sich „ohne Befehl“ im Stich gelassen, seine Offiziere, teils linientreu, teils wankelmütig, sind komplett überfordert, wissen auch keine Lösung gegen die immer größer werdende Menge, die die Öffnung des Schlagbaums fordert. Schäfer muss handeln, zeigt Eigeninitiative – erstmals in seinem Leben – und öffnet schließlich den Schlagbaum, um alle Bürger, ohne Einschränkung, durchzulassen.

Die Diskussion mit dem Produzenten Nico Hofmann zeigte, dass nach wie vor sehr unterschiedliche Meinungen bestehen, wie gut oder schlecht man sich seit der Wende um benachteiligte Menschen im Osten gekümmert hat bzw. kümmert.

Im Gespräch mit Nico Hofmann

Hofmann konnte für seinen Beruf weitgehend Positives berichten; so sei die Kommunikation und der Austausch im Schauspielberuf schon immer gut gewesen: „…die künstlerischen Berufe sind viel schneller zusammengewachsen als alle anderen." Er nannte viele Schauspieler „aus dem Osten,“ die „jetzt im Westen voll etabliert“ seien, u.a. Jan Josef Liefers und den kürzlich verstorbenen Manfred Krug. Das Besondere und Interessante am Film Bornholmer Straße sei, dass er „das Menschliche zeigt, das in der Uniform steckt!“ Uniform als hilflose Fassade – und wenn die Vorgesetzten nicht weiter wissen, fällt alles Vertraute und vermeintlich Sichere, an das die Uniformträger fest glaubten, wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Dass der Film die Gemüter positiv in Wallung brachte, zeigte die um 45 Minuten verlängerte Diskussion nach dem interessanten Filmabend.